Die Folgen des Coronavirus COVID-19 für den Transportsektor

12.03.2020

Nichts scheint das Coronavirus aufhalten zu können. Das ursprünglich aus China stammende Virus hat nicht nur fatale Folgen für das Leben der Menschen, sondern bedroht angesichts von Sperrzonen und Grenzschließungen zudem die gesamte Transportwelt. Zuletzt ist es hierzu in Italien und damit auf europäischem Gebiet gekommen. Die betroffenen nördlichen Regionen gelten dabei als lebenswichtige Adern für die Wirtschaft und den internationalen Handel. Seit Februar 2020 haben sich bereits viele Dinge aufgrund des Coronavirus und seiner Auswirkungen auf die Transportbranche geändert und dies wird auch so weitergehen. Außerhalb Europas bleibt darüber hinaus die Lage in einigen Ländern des Nahen Ostens kritisch, was zu Schwierigkeiten für den interkontinentalen Transport führt.

Wie wirkt sich das Coronavirus auf die weltweite Logistikbranche aus?

Transporte in jeder Form sind betroffen. CECLAT, der europäische Verband für Spedition, Transport, Logistik und Zolldienstleistungen, sowie die Polnische Kammer für Spedition und Logistik haben Warnungen wegen begrenzter Exportladungen und zusätzlicher Verzögerungen in Häfen aufgrund fehlender Umschlagsbetriebe und Lagerhalter ausgesprochen. Osteuropäische Länder bemerken inzwischen ebenfalls die durch das Coronavirus hervorgerufenen Transportengpässe, sodass das wirtschaftliche schwarze Loch in Europa größer und stärker wird. Verzögerte Lieferungen und steigende Preise durch das Coronavirus.

Angesichts der begrenzten Zahl eingeführter Waren und der verkürzten Routen von Transportunternehmen müssen wir uns auf schwerwiegende Handelsherausforderungen im Zuge des COVID-19-Ausbruchs einstellen. Nach Schätzung des Experten Jerome de Ricqles wird in nicht allzu ferner Zukunft die Unfähigkeit, den Bedarf zu decken, höhere Frachttarife und Gesamttranssportkosten nach sich ziehen. Zwangsläufig wird dies den Endpreis von Waren direkt beeinflussen.

Wie wirkt sich das Coronavirus auf den chinesischen Frachtsektor aus?

Um es klar zu sagen: China ist ein weltweit enorm bedeutender Lieferant und zahlreiche Transportunternehmen in Europa transportieren Waren mit dem Label „Made in China“. Da das Land von Sperrzonen und Grenzschließungen betroffen ist, wird der Export auf beiden Seiten komplizierter. So staut sich wegen des COVID-19-Ausbruchs eine beträchtliche Zahl von Containern mit in China produzierten Waren.

Trotz des Coronavirus-Ausbruchs im Dezember 2019 ist China wieder dabei, seine Fabriken zu öffnen. Recht optimistisch zu sehen ist, dass laut Ganyi Zhang die Produktion von elektronischen Geräten, auf die der größte Teil der Exporte fällt, in 90 % der Fabriken in Zhejiang (Stand: 20. Februar), in mehr als 60 % der Fabriken in Jiangsu (Stand: 16. Februar) und in ca. 50 % der Fabriken in Guangdong (Stand: 19. Februar) wieder angelaufen ist. Diese Zahlen geben definitiv Anlass zu großer Hoffnung, aber es ist noch ein weiter Weg, bis die gesamte Industrie wieder ihre volle Kapazität erreicht haben wird.

Wie wirkt sich das Coronavirus auf den europäischen Logistikmarkt aus?

Die europäischen Behörden versuchen zwar, Ruhe zu bewahren, nehmen aber dennoch die Bedrohung des gesamten Kontinents durch das Coronavirus überaus ernst. Seit Beginn der Krise werden rigorose Maßnahmen ergriffen, um eine Ausbreitung des COVID-19-Virus innerhalb der europäischen Grenzen zu verhindern. Diese Präventionsmaßnahmen wirken sich bereits direkt auf den Gütertransport auf der Straße aus. Dies gilt insbesondere an Orten mit einer hohen Zahl registrierter Fälle. Ein hervorragendes Beispiel sind hier Norditalien oder die Grenzgebiete zu asiatischen Staaten.

Genauer gesagt wurden in dem transalpinen Land die restriktivsten Entscheidungen bereits getroffen, um die Epidemiegefahr zu kontrollieren. Mit einer Reihe wichtiger Folgen für den Transport.

Nach verschiedenen Eindämmungsmaßnahmen hat die italienische Regierung entschieden, Mailand, den Wirtschaftsmotor des Landes, zu „isolieren“. Ein Dekret wurde erlassen, wonach es verboten ist, die gesamte Region und vierzehn andere italienische Provinzen zu betreten oder zu verlassen: Das sind Modena, Parma, Piacenza, Reggio-Emilia, Rimini, Pesaro und Urbino, Padua, Treviso, Asti, Alessandria, Verbano-Cusio-Ossola, Novara, Vercelli sowie Venetien. Diese einschneidenden Maßnahmen gelten, Stand heute, bis zum 3. April und betreffen 16 Mio. Menschen und damit das gesamte Land. Was Transporte angeht, stellt sich die Situation wie folgt dar: Das Gebiet darf weder betreten noch verlassen werden. Ausgenommen sind hiervon „unaufschiebbare Arbeitsverpflichtungen oder Notfälle“.

Was bedeutet das Coronavirus für Fahrer?

In diesen Regionen sind medizinische Untersuchungen der Fahrer (Temperaturmessung und Evaluierung von Symptomen) an Be- und Entladestellen Pflicht. In einigen extremeren Fällen wird von Frachtführern sogar das Tragen einer Maske verlangt, was viele von ihnen bereits bei den italienischen Transportverbänden kritisiert haben.

Um das Risiko zu reduzieren und weil die Lage bereits überaus komplex ist, hat Italien unter Verweis auf gesundheitliche Gründe durch Schließung seiner Grenzen das Schengen-Abkommenvorübergehend ausgesetzt, damit an Zugängen medizinische Kontrollen durchgeführt werden können. Dieses Szenario ist zwar noch in weiter Ferne, aber die Lage verändert sich täglich.

Italien ist, wie man sagt, das am stärksten betroffene Land in der Europäischen Union, aber auch die registrierten Fälle in allen Nachbarländern nehmen zu. In Spanien gibt es bereits Hunderte von bestätigten (mild verlaufenden) Fällen mit Ausbrüchen in Madrid und im Baskenland. Und obwohl noch keine präventiven Beschränkungen getroffen wurden, könnte es im Falle drastisch steigender Ansteckungszahlen irgendwann dazu kommen.

Die Verlangsamung, die durch all diese Maßnahmen erreicht wird, ist unstrittig, und zwar auf allen Ebenen. Tatsächlich müssen wir – bezogen auf den Gütertransport auf der Straße – nicht nur die direkten Kosten dieser Beschränkungen tragen. Was wir zudem berücksichtigen müssen, sind alle indirekten Kosten, angefangen von der Verknappung an Ursprungsorten, die zwangsläufig zu einem geringeren Frachtbedarf führen, bis hin zu wirtschaftlichen Verlusten, die diese Widrigkeiten für die Transportunternehmen bedeuten können, die dann entsprechend Budgetkürzungen vornehmen müssen.

Wenn man bedenkt, dass die Fallzahlen vorerst weiter steigen werden, wird es immer wichtiger, sachgerechte Informationen über die Entwicklung des Coronavirus bereitzustellen. Natürlich müssen wir vorsichtig sein, um nicht in Sensationsgier zu verfallen und um Entscheidungen zu vermeiden, die für bestimmte Sektoren unumkehrbar sein könnten. Prävention ist definitiv der Schlüssel und eine bevorzugte Alternative, die viele Länder nutzen, wenn es um den Umgang mit dieser globalen Erschütterung geht. Der Handel wird jedoch nie komplett zum Erliegen kommen, und wie es immer in solchen Fällen geschieht, wird das Coronavirus nach ein paar Monaten für uns alle eine bittere Erinnerung sein.