Selbstfahrende LKWs & LKW-Fahrer: Ein Widerspruch

18.04.2018

Da Investoren im Jahr 2017 über 810 Millionen Euro in Technologien für selbstfahrende Fahrzeuge investiert haben, wird sich die Akzeptanz des autonomen Fahrens in den nächsten Jahren rasch entwickeln. Angesichts der Vorteile dieser Technologie für die Logistikbranche gibt es Grund zum Feiern.

Doch LKW-Fahrer, die ein grundlegender Aspekt des LKW-Fahrens sind und durch selbstfahrende LKWs verdrängt werden sollen, haben natürlicherweise Bedenken. Goldman Sachs erwartet, dass fast 300.000 Fahrjobs durch die Automatisierung verschwinden werden, während Unternehmen, die die Technologie selbst entwickeln, z. B. Uber, behaupten, dass mehr Überwachungstreiber benötigt werden, um die gestiegenen Lieferlasten zu bewältigen, die mit den sinkenden Lieferkosten des automatisierten Fahrens einhergehen. Vielleicht werden beide Szenarien gleichfalls eintreten.

Szenario 1: Abbau der LKW-Fahrer-Jobs

Unsere menschlichen Grenzen sind ein starkes Argument für die Automatisierung. Diese Einschränkungen führen beispielsweise dazu, dass LKW-Fahrer auf 11-Stunden-Tage oder 60-Stunden-Wochen auf der Straße beschränkt sind – eine Einschränkung, die für einen automatisierten LKW nicht gilt und eine 24/7-Lieferfähigkeit ermöglicht. Außerdem müssen Fahrer bezahlt werden, was 34 % der Betriebskosten pro Meile (1,6 km) ausmacht. Aufgrund dieser Tatsachen, mit dem Bedürfnis eines menschlichen Fahrers nach Ruhe verbunden mit der menschlichen Fehleranfälligkeit (die jedes Jahr Tausende von Menschen tötet), ist es kein Wunder, dass Suncor Energy Inc. kürzlich seine Pläne bekannt gab, 400 Fahrer von Schwerlastkraftwagen durch selbstfahrende LKWs auf Ölsandabbaustätten zu ersetzen.

Doch wenn wir über menschliche Grenzen sprechen, ist es nur gerecht, sich daran zu erinnern, dass auch Roboter in Bezug auf Vernunft und Geschicklichkeit fehlerhaft bleiben, sodass in dieser Phase des automatisierten Fahrens menschliches Eingreifen erforderlich ist. Deshalb sagen Optimisten voraus, dass selbstfahrende LKWs neue, bessere Bedingungen für den LKW-Fahrer von heute und morgen schaffen werden, anstatt Arbeitsplätze abzubauen.

Szenario 2: LKW-Fahrer-Jobs bleiben und werden verbessert

LKW-Fahrer-Jobs sind bekanntlich anstrengend und wenig abwechslungsreich. Isolierte, anstrengende, im Sitzen verbrachte und unterbezahlte Stunden auf der Straße tragen zu einer beachtlichen Fluktuationsrate von 90 % pro Jahr bei. Mit einem mittleren Jahreseinkommen von 32.500 Euro und einem Durchschnittsalter von 49 Jahren ist eine so hohe Fluktuationsrate leicht zu verstehen. Doch angesichts des niedrigen Gehalts würde man ein hohes Angebot an willigen LKW-Fahrern erwarten – was einfach nicht der Fall ist.

Allein in den USA fehlen heute 50.000 LKW-Fahrer – eine Zahl, die bis 2022 auf 250.000 ansteigen soll, da Lieferungen immer häufiger werden. Angesichts dieser Knappheit kann die Automatisierung dazu beitragen, nicht nur die Logistikunternehmen, sondern auch die Fahrer selbst zu entlasten.

Dieser Mangel kann also durch Automatisierung auf zwei Arten behoben werden: Erstens kann ein LKW-Fahrer von einem Pseudo-Callcenter aus arbeiten, ohne dass zusätzliche Fahrer benötigt werden. In diesem Fall könnten LKW-Fahrer innerhalb einer 8-Stunden-Schicht zwischen 10 und 30 LKWs fahren, sodass sie vor Ort arbeiten und am Ende des Tages zu ihren Familien zurückkehren können. In diesem Fall würden LKW-Fahrer die Kontrolle über den LKW übernehmen, wenn er z.B. in der Nähe von Bauzonen oder in städtischen Zentren fährt. Dies reduziert gleichzeitig den Bedarf an mehr Fahrern und verbessert die Arbeitsbedingungen der derzeitigen Fahrer.

Die Nachfrage nach 250.000 zusätzlichen Fahrern bis 2022, könnte durch den Wechsel auf selbstfahrende LKWs und dem damit verbundenen Wandel des Berufsbilds bedient werden. In Szenarien, in denen LKW-Fahrer im (selbstfahrenden) LKW sitzen müssen (im Gegensatz zur Arbeit in Callcentern), können die Fahrer ihre Augen ausruhen und sich auf verschiedene Dinge konzentrieren, während der LKW über die Autobahn gleitet. So können LKW-Fahrer zwar etwa Papierkram erledigen, ein neues Hobby beginnen oder mit Freunden chatten, aber nur dann, wenn sie sicher sind, den LKW übernehmen zu können, wenn es nötig ist (z.B. in Baugebieten oder städtischen Gebieten). Jedoch wird die Aufsichtsfunktion sicherlich eine größere Anzahl von Arbeitnehmern anziehen, als es heute der Fall ist.

Dennoch bleibt die Zukunft der LKW-Fahrer als Antwort auf selbstfahrende LKWs unklar. Werden die Löhne bei geringerer Nachfrage noch weiter sinken, als sie es bereits tun? Oder werden die Löhne entsprechend der höheren Ausbildung erhöht, die notwendig ist, um mit diesen Technologien zu arbeiten? Mit aktuellen Schätzungen, dass in den nächsten 8 Jahren 900.000 neue Fahrer benötigt werden, ist es schwierig zu wissen, wohin das Schicksal des LKW-Fahrerberufs führt.

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