Wie sicher sind selbstfahrende LKWs?

26.06.2018

Am 07. Mai 2016 wurde erstmals ein selbstfahrendes Auto von Tesla in einen tödlichen Unfall verwickelt. Ein Tesla Modell S kollidierte dabei mit einem LKW, während es sich im Autopilot befand. Der Fahrer des LKWs wurde nicht verletzt, der Fahrer des Tesla kam bei dem Unfall allerdings ums Leben. Grund für den Unfall war wohl die Tatsache, dass die Sensoren des Tesla den großen, weißen LKW nicht vom hellen Himmel unterscheiden konnten.

Der Unfall führte dazu, dass nach der anfänglichen Euphorie für autonomes Fahren viele die Technologie noch einmal kritisch hinterfragten. Schließlich hätte diese Art Unfall von einem menschlichen Fahrer leicht verhindert werden können. Trotz der intensiven Straßentests, bei denen die selbstfahrenden Autos Millionen an Kilometern zurücklegen, kann keine Unfallfreiheit garantiert werden. Auch bei Uber kam es kurze Zeit später zu einem tödlichen Unfall, bei dem eine Frau von einem autonomen Fahrzeug überfahren wurde. Der Unfall ereignete sich bei Nacht, während die Passantin versuchte, die Straße zu überqueren. Ob der Unfall von einem menschlichen Fahrer hätte verhindert werden können, ist dabei noch nicht endgültig geklärt. Trotzdem wurde in Anbetracht der Todesopfer verstärkt Kritik an der Technologie laut und autonome Fahrzeuge generell in Zweifel gezogen.

All diese Entwicklungen werfen die Frage auf, wie sicher selbstfahrende Autos wirklich sind und in welchem Maße man ihnen vertrauen kann.

Autonomes Fahren: Sicher oder nicht sicher?

Um zu verstehen, wie sicher autonome Fahrzeuge tatsächlich sind, ist es nützlich, einen Blick auf die Alternative zu werfen. Zu Unfällen von menschengesteuerten Fahrzeugen gibt es glücklicherweise eine Vielzahl an repräsentativen Studien und Daten. Alleine in den USA sterben etwa 4.000 Menschen jedes Jahr durch Unfälle, in denen LKWs involviert sind. 90% dieser Unfälle sind dabei auf menschliches Versagen zurückzuführen. Die Zahl der Todesopfer im Straßenverkehr steigt sogar auf 37.000, wenn man PKWs mit einbezieht. Auf der ganzen Welt sterben pro Tag etwa 3.000 Menschen durch Unfälle, die von Fahrzeugen verursacht werden.

Wenn man über die Sicherheit des autonomen Fahrens spricht, muss man auch bedenken, welche Auswirkungen ein Ausstieg aus dieser Technologie bedeuten würde. Autonome Fahrzeuge sind nicht perfekt oder völlig unfallfrei, aber sie sind in den meisten Fällen sicherer und verursachen weniger Unfälle als menschengesteuerte Fahrzeuge. Aber wie ist die Sicherheit von selbstfahrende LKWs dabei einzuordnen? Kommerziell genutzte LKWs bilden einen gesonderten Fall: Sie werden voraussichtlich vor privaten PKWs einen Umstieg auf autonome Fahrsysteme erleben. Dies bietet für Logistikunternehmen eine vielversprechende Möglichkeit, Kosten zu sparen. Darüber hinaus fahren LKWs hauptsächlich auf Autobahnen, die frei von Passanten und scharfen Kurven sind. Die Risikofaktoren für den Einsatz kommerziell genutzter LKWs also deutlich geringer als für PKWs. Technische Fortschritte haben außerdem die Fähigkeiten von selbstfahrenden LKWs in den letzten Jahren deutlich verbessert. Die Verarbeitung bestimmter Informationen wie Wetterlage und menschliche Interaktionen müssen allerdings von Sensoren und Kameras noch perfektioniert werden. Wie der Unfall bei Tesla zeigt, haben die autonomen Systeme noch Schwierigkeiten, weiße Fahrzeuge von einem hellen Himmel zu unterscheiden. Darüber hinaus können Kameras bei starker Sonneneinstrahlung geblendet und Lasersensoren von Schnee bzw. Sand beeinträchtigt werden. Das Erkennen von menschlichen Gesichtsausdrücken oder die Einordnung anderer Verkehrsteilnehmer (z.B., ob es sich um einen Tramper oder einen Bauarbeiter handelt) ist zur Zeit noch nicht im Rahmen des Möglichen. 

Ungeachtet dessen wird erwartet, dass selbstfahrende LKWs den Straßenverkehr deutlich sicherer machen werden. Eine Möglichkeit dafür ist das sogenannte Platooning. Bei dieser Methode fahren mehrere LKWs direkt hintereinander, während sie über WLAN, Sensoren und Kameras miteinander verbunden sind. Hierdurch wird nicht nur der Luftwiderstand verringert, was Spritkosten spart, sondern auch die Sicherheit für andere Verkehrsteilnehmer erhöht. Der erste LKW in der Platooning-Reihe wird von einem Menschen gesteuert, während die restlichen Fahrzeuge autonom fahren und dank ihrer technischer Ausrüstung das Verhalten des führenden LKWs exakt nachahmen können. Damit gibt es in kritischen Situationen keine verzögerten Reaktionen wie sie oft bei menschlichen Fahrern vorkommen. Das Risiko auf Autobahnen für Auffahrunfälle und andere schwere Zusammenstöße bei hohem Tempo sinkt damit deutlich.

In der Industrie gewinnen Unternehmen bereits Selbstvertrauen im Umgang mit kommerziell genutzten, autonomen Fahrzeugen. So verkündete Rio Tinto, ein australisches Bergbauunternehmen, dass ihre autonomen Nutzfahrzeuge bereits eine Milliarde Tonnen Material ohne einen einzigen Unfall transportiert hätten. Daher vergrößere das Unternehmen ihren autonomen Fahrzeugbestand von derzeit 80 auf 140 Fahrzeuge im Jahr 2019. Der Erfolg von Rio Tinto bewegte auch andere Unternehmen der Branche, ähnlich zu investieren. Das kanadische Bergbauunternehmen Suncor möchte beispielsweise im Jahr 2019 mit dem Einsatz autonomer Fahrzeuge beginnen, um die Sicherheit seiner Mitarbeiter zu erhöhen.

Der Erfolg autonomer Fahrzeuge begründet sich nicht nur auf der 360-Grad Analysefähigkeit seiner Umgebung, sondern auch auf einem viel profaneren Faktor: Autonome Fahrzeuge können nicht müde, betrunken oder unkonzentriert werden wie ihr menschlicher Gegenpart. Viele Konsumenten äußern Bedenken, dass sie sich unwohl fühlten, ihr Leben in die Hand einer Maschine zu geben. Man sollte aber auch fragen, was passiert, wenn wir unser Leben stattdessen weiterhin in die Hände anderer Menschen legen. Der Mensch stellt immer ein Risikopotential dar. Für die LKW-Industrie haben sich autonome Fahrzeuge als weitaus sicherer erwiesen als menschliche Fahrer, was Unternehmen überzeugt, in diese Technologie zu investieren.

Werden autonome PKWs die Konsumenten in ähnlicher Weise überzeugen können? Falls es weiterhin zu tödlichen Unfällen kommt, ist dies fragwürdig. Mit sich stetig verbessernder Technik könnte menschliches Fahren allerdings auf Dauer als zu unsicher befunden werden und zugunsten autonomer Fahrzeuge ersetzt werden.

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